Unternehmensprozesse sind heute so dynamisch wie nie: Entscheidungen müssen in Echtzeit getroffen, Lieferketten sekundengenau gesteuert und Kundenerlebnisse individuell gestaltet werden. In dieser komplexen Landschaft wird Integration zur zentralen Disziplin – nicht als technisches Randthema, sondern als strategischer Hebel. Event Driven Architecture (EDA) hat sich hier als Schlüsselansatz etabliert, der SAP-Systeme, Cloud-Anwendungen und Partnernetzwerke nahtlos verknüpft. Dieser Artikel erklärt, wie EDA im SAP-Umfeld funktioniert, welche Technologien und Use Cases existieren und worauf es bei der Umsetzung ankommt.
Event Driven Architecture basiert auf dem Prinzip, Zustandsänderungen in Systemen – sogenannte Events – asynchron und entkoppelt zu kommunizieren. Im Gegensatz zu traditionellen Point-to-Point- oder API-basierten Ansätzen folgt EDA dem Publish/Subscribe-Muster: Ein Producer (z. B. SAP S/4HANA) löst ein Event aus, das ein Broker (wie der SAP Advanced Event Mesh) an alle abonnierenden Consumer verteilt.
Kernkonzepte sind:
Durch Asynchronität und Entkopplung ermöglicht EDA eine höhere Skalierbarkeit, Resilienz und Echtzeit-Reaktionsfähigkeit. Beispielsweise muss ein Lagerverwaltungssystem nicht mehr aktiv beim ERP anfragen, ob neue Bestellungen vorliegen – es wird automatisch benachrichtigt.
SAP bietet ein breites Ökosystem an Technologien für EDA:
Im Kontext SAP-interner Prozesse zeigt sich ein klassisches Integrationsbeispiel zwischen den Modulen Sales and Distribution (SD) und Materials Management (MM): Wird ein Verkaufsauftrag (Sales Order) in SD angelegt, löst dies automatisch eine Materialverfügbarkeitsprüfung in MM aus. Diese nahtlose Verknüpfung gewährleistet, dass Lieferzusagen nur bei tatsächlicher Verfügbarkeit der Ware erteilt werden. Durch die Integration wird manuelle Nachfrage vermieden, Prozesse beschleunigt und die Kundenzufriedenheit gesteigert, da Echtzeitdaten die Entscheidungsgrundlage bilden.
Auch in hybriden Landschaften gewinnt die Vernetzung physischer Systeme mit SAP-Anwendungen zunehmend an Relevanz. Ein typisches Szenario ist die Nutzung von IoT-Sensordaten aus Produktionsanlagen: Sensoren erfassen Maschinendaten wie Temperatur, Vibrationen oder Auslastung, die über das SAP Event Mesh in Echtzeit an SAP S/4HANA und eine Predictive Maintenance-Anwendung übertragen werden. Diese Integration ermöglicht einerseits die Abbildung des Materialflusses in S/4HANA und andererseits proaktive Wartungsmaßnahmen, um Ausfälle zu vermeiden. Der Event Mesh agiert hier als zentraler Vermittler, der Datenströme orchestriert und eine reibungslose Kommunikation zwischen Legacy-Systemen und modernen Cloud-Anwendungen sicherstellt.
Eine erweiterte Event Governance rückt mit dem SAP Advanced Event Mesh in den Fokus. Unternehmen können nun Event-APIs produktisieren – also standardisieren und als wiederkehrende Services bereitstellen – und über ein zentrales Portal verwalten. Das erleichtert die Governance von Event-Driven-Architekturen, da Richtlinien, Sicherheit und Monitoring konsistent umgesetzt werden. Zudem lässt sich die Nutzung von Events über Systemgrenzen hinweg transparent tracken, was Compliance-Anforderungen unterstützt.
Ein weiterer Trend ist die KI-Integration in Echtzeitprozesse: Events wie Retouren oder Lagerbestandsänderungen können nun direkt Machine-Learning-Modelle triggern. Beispielsweise analysieren KI-Algorithmen Retourenmuster in Echtzeit, identifizieren Ursachen wie Qualitätsmängel oder Lieferverzögerungen und leiten automatisiert Gegenmaßnahmen ein. Diese Verschmelzung von Event-Streaming und KI schafft agile Entscheidungsketten, bei welchen manuelle Interventionen reduziert werden.
Im Bereich cloud-nativer Architekturen setzt SAP auf containerisierte Event-Consumer, die auf der SAP Business Technology Platform (BTP) laufen. Durch Containerisierung lassen sich Consumer-Anwendungen elastisch skalieren: Bei Lastspitzen werden automatisch zusätzliche Instanzen gestartet, bei geringer Auslastung Ressourcen freigegeben. Das ermöglicht nicht nur Kosteneffizienz, sondern auch eine hohe Resilienz gegenüber schwankenden Datenvolumen, wie sie etwa bei IoT- oder E-Commerce-Szenarien typisch sind.
Ein wegweisender Trend ist die Konvergenz von Streaming und Integration: Technologien wie Kafka und SAP Event Mesh wachsen zusammen, um sowohl Batch- als auch Streaming-Daten zu verarbeiten.
Ein Praxisbeispiel: Ein Retail-Unternehmen nutzt SAP Event Mesh, um Lagerbestandsänderungen in Echtzeit an 30 Filialsysteme und einen E-Commerce-Shop zu übertragen. Durch Entkopplung konnte die IT-Latenz um 70% gesenkt werden.
Die zunehmende Komplexität von Event-getriebenen Architekturen bringt spezifische Herausforderungen mit sich, die jedoch durch gezielte SAP-Lösungen adressiert werden können.
Ein kritischer Punkt bei der asynchronen Kommunikation zwischen Systemen ist die Einhaltung der Event-Reihenfolge. Gerade in Szenarien wie Bestandsaktualisierungen oder Lieferkettenprozessen kann eine falsche Abfolge von Events zu inkonsistenten Daten führen – etwa, wenn eine Stornierung vor der Auftragsbestätigung verarbeitet wird. SAP löst dieses Problem durch Message Sequencing im SAP Event Mesh. Diese Funktion garantiert, dass Events in der exakten Reihenfolge ihres Eintritts verarbeitet werden, selbst bei verteilten Systemen oder temporären Netzwerkausfällen. Durch die FIFO-Prinzipien (First-In-First-Out) in dedizierten Queues wird sichergestellt, dass nachgelagerte Prozesse stets auf synchronisierte und korrekte Daten zugreifen.
Viele IT-Teams sind traditionell auf synchronen API-Austausch fokussiert und weniger mit den Paradigmen ereignisgesteuerter Architekturen vertraut. Dieser Wissenslücke begegnet SAP mit spezialisierten Schulungsangeboten im SAP Learning Hub. Hier werden Rollen wie „Event-Architekt“ oder „Event-Streaming-Engineer“ gezielt geschult – von der Konzeption von Event-Mesh-Topologien bis zur Implementierung von Fehlertoleranzmechanismen. Praxisnahe Lerninhalte, etwa zum Design von Event-Schemas oder zur Integration von KI-Modellen in Event-Pipelines, ermöglichen Teams, sich schrittweise in die Event-dominierte Welt einzuarbeiten. Gleichzeitig fördert SAP damit eine einheitliche Sprach- und Methodenwelt innerhalb hybrid verteilter Teams.
Diese Lösungsansätze unterstreichen, wie SAP nicht nur technologische Werkzeuge bereitstellt, sondern auch die notwendige Wissensvermittlung und Prozesssicherheit in den Vordergrund rückt. Unternehmen können so sowohl technische als auch organisatorische Hürden überwinden, um das volle Potenzial event-orientierter Integration auszuschöpfen.
Die nächste Evolutionsstufe ist die autonome Integration: Selbstlernende Systeme, die auf Basis von Events automatisch Prozesse anpassen – z. B. Lieferrouten bei Wetteränderungen optimieren. Mit SAPs Fokus auf KI-gestützte Erweiterungen (siehe SAP Graph) wird EDA zum Nervensystem solcher autonomen Ökosysteme.
Event Driven Architecture ist ein architektonisches Fundament für moderne SAP-Landschaften. Sie ermöglicht, starre Prozessketten durch agile, echtzeitfähige Interaktionen zu ersetzen – ob zwischen SAP-Modulen, Cloud-Services oder Partnern. Entscheidend ist dabei die Wahl der richtigen Technologien wie dem Advanced Event Mesh und die Einhaltung von Best Practices im Event-Design. Wer diese Hebel nutzt, macht seine IT nicht nur schneller, sondern auch zukunftssicher für Szenarien wie KI, IoT oder Composable ERP.
Vertiefende Einblicke finden Sie in den Detailartikeln zu SAP Advanced Event Mesh und API Management mit der SAP Integration Suite.
Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch jederzeit gerne persönlich zur Verfügung und unterstützen Sie bei der Umsetzung Ihrer Integrationen in der SAP Integration Suite.
Nützliche weiterführende Informationen aus dem Bereich SAP finden Sie in unserem Blog und im Bereich Fachwissen auf unserer Webseite.
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