In einem Incident Response greifen immer technische und organisatorische Maßnahmen ineinander. Prozesse, Rollen, Kommunikationswege und Entscheidungsbefugnisse sind genauso wichtig wie Firewalls, EDR und Forensik-Tools. Organisatorische Maßnahmen definieren, wer wann was entscheidet. Die technischen Maßnahmen im Incident Response sorgen überhaupt erst dafür, dass diese Entscheidungen umgesetzt werden können und dass Beweise, Systeme und Daten kontrolliert behandelt werden. Gerade im Ernstfall sind die technischen Vorkehrungen mindestens genauso wichtig wie Prozesshandbücher, weil ohne vorbereitete Notfall-Laptops, Out-of-Band-Kommunikation oder saubere Backup-/Logging-Infrastruktur selbst der beste Incident-Response-Plan nicht seine volle Wirkung entfalten kann.
In der Theorie wirkt Incident Response wie ein sauberer Prozess aus Phasen und Playbooks. Die Praxis hingegen zeigt oft, dass es ein Zusammenspiel aus Stress, Zeitdruck und unvollständigen Informationen ist. Genau hier schaffen vorbereitete Technik und Werkzeuge den Rahmen, in dem das IR-Team überhaupt handlungsfähig bleibt.
Technik ist damit nicht nur „Unterstützung“ des Prozesses, sondern sollte ein integraler Bestandteil Ihrer Incident-Response-Strategie sein.
Im Sicherheitsvorfall ist oft unklar, ob E-Mail, Chat oder Kollaborationstools bereits kompromittiert sind. Out-of-Band-Kommunikation meint daher alternative, vom Produktivnetz logische oder physisch getrennte Kommunikationskanäle, wie z.B. ein separater Kommunikations-Tenant, dedizierte Mobilgeräte, sichere Messenger oder Telefonkonferenzen. So kann das Incident-Response-Team Maßnahmen planen und abstimmen, ohne dass potenziell mitlesende Angreifer Einblick in die Gegenstrategie erhalten.
Im Vorfall sind Alltags-Clients häufig Teil des Problems: Sie könnten kompromittiert sein oder sensible Daten enthalten, die nicht weiter gefährdet werden sollen. Vorgehärtete Notfall-Laptops, die getrennt gelagert werden, bieten dem IR-Team eine saubere Arbeitsumgebung mit vorinstallierten Tools wie VPN-Client, RDP/SSH, Forensik-Tools, Passwortmanager und sicher konfiguriertem Browser. Diese Geräte sollten regelmäßig aktualisiert und dokumentiert sein, damit sie im Ernstfall sofort einsatzbereit sind und nicht erst eingerichtet werden müssen.
Wenn Systeme nicht mehr zuverlässig booten oder das installierte Betriebssystem als kompromittiert gilt, braucht das IR-Team eigene Boot-Medien. Bootfähige USB-Sticks mit einer schlanken, vertrauenswürdigen Windows- oder Live-System-Variante ermöglichen es, Rechner unabhängig vom lokalen OS zu starten, Daten forensisch zu sichern, Logs zu exportieren oder erste Reparaturschritte einzuleiten. Ergänzt um Imaging-Software, Offline-Virenscanner und Skripte wird daraus ein Repair-Kit, mit dem sich standardisierte Erstmaßnahmen effizient durchführen lassen.
Ein wichtiger Schritt im Incident Response ist die Eindämmung: Die Ausbreitung eines Angriffs muss so schnell wie möglich gestoppt oder zumindest verlangsamt werden. Technisch helfen hier vorbereitete Firewall-Regelsets, Quarantäne-VLANs, Geo-Blocking-Optionen sowie EDR-Funktionen zur Host-Isolation, die über Playbooks oder Runbooks mit wenigen Handgriffen aktiviert werden können. Statt im Notfall ad hoc Regeln zu „basteln“, greift das Team auf getestete, dokumentierte Schalter zurück, wodurch Fehler und Kollateralschäden reduziert werden.
Angreifende zielen häufig auf privilegierte Konten, um sich lateral in der Umgebung zu bewegen. Daher sind stark abgesicherte Notfall- oder Break-Glass-Accounts wichtig, die außerhalb des normalen Identitätslebenszyklus verwaltet und nur im Ernstfall genutzt werden. Ergänzend sollten technische Maßnahmen vorbereitet sein, um kompromittierte Konten schnell zu sperren, Sessions zu terminieren und für kritische Logins kurzfristig härtere Richtlinien wie verpflichtende Multifaktor-Authentifizierung durchzusetzen.
Ohne Logs fehlen die Grundlagen für Analyse und Lessons Learned und ohne Backups fehlt die Grundlage für Wiederherstellung. Zentralisierte, manipulationsresistente Logsysteme sowie Backups mit Schutzmechanismen wie Immutability oder physischer Trennung sorgen dafür, dass weder Beweise noch Wiederanlaufoptionen leicht zerstört oder verschlüsselt werden können. Wichtig ist, dass diese Infrastruktur technisch so ausgelegt ist, dass Angreifende aus dem Produktivnetz nur eingeschränkte oder idealerweise gar keine Möglichkeit haben, diese Daten einzusehen.
Incident Response ist weit mehr als ein Dokument mit Prozessen und Rollenbeschreibungen. Erst konkrete technische Maßnahmen, wie z.B. eine Out-of-Band-Kommunikation, vorbereitete Notfall-Laptops, USB-Repair-Kits sowie passende Netzwerk- und Identitätskontrollen, machen den Unterschied, ob ein Sicherheitsvorfall beherrschbar bleibt oder zum IT-Desaster eskaliert.
Wenn auch Sie sicherstellen möchten, dass Ihr Unternehmen über wirksame technische Maßnahmen für den Incident Response verfügt, unterstützen wir Sie gerne bei Planung, Umsetzung und Test Ihrer Notfallvorsorge. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.
Sehen Sie auch: Der Weg zum Cyber Incident Response Plan im Gesundheitswesen – Rewion IT-Beratung & Services – Cloud, KI, SAP, Strategie, Security
There are no results matching your search
There are no results matching your search
There are no results matching your search
Willkommen bei unserem exklusiven Support für Bestandskunden. Hier finden Sie alle nötigen Informationen, um schnell und unkompliziert Hilfe bei technischen Anfragen zu erhalten.
Senden Sie uns Ihr Anliegen mit allen relevanten Details an:
Für eine direkte Unterstützung per Fernwartung, laden Sie bitte unser TeamViewer-Modul herunter:
Bitte beachten Sie: Dieser Kanal ist speziell für technische Anfragen unserer Bestandskunden vorgesehen. Für allgemeine Anfragen, Informationen zu unseren Dienstleistungen oder eine Erstberatung nutzen Sie bitte unser Kontaktformular oder schreiben Sie eine E-Mail an info@rewion.ucepts.de.