Telematikinfrastrukur 2025: Was der E-Health Monitor zeigt.

Über digitale Reife und Nutzung der TI im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens hat 2025 einen Punkt erreicht, an dem Fortschritt und Ernüchterung gleichzeitig sichtbar werden. Mit der verpflichtenden Einführung zentraler Anwendungen wie E-Rezept und elektronischer Patientenakte, einer nahezu flächendeckenden Anbindung an die Telematikinfrastruktur sowie den gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem Digitalgesetz (DigiG), dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) und dem Gesundheitsdigitalagenturgesetz (GDAG) sind die Voraussetzungen für digitale Versorgung so umfassend wie nie zuvor. Der E-Health Monitor 2025 zeigt jedoch, dass diese Infrastruktur im Versorgungsalltag bislang nur begrenzt Wirkung entfaltet.

 

Diese Diskrepanz ist kein kurzfristiges Umsetzungsproblem, sondern Ausdruck eines strukturellen Spannungsfeldes. Die TI wurde über Jahre primär als verpflichtende Infrastruktur etabliert, mit starkem Fokus auf Sicherheit, Regulierung und formaler Anbindung. Die Frage, wie digitale Anwendungen tatsächlich in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden können, spielte in der frühen Phase eine untergeordnete Rolle. Entsprechend erleben viele Leistungserbringer die TI weniger als Entlastung, sondern als zusätzliche Ebene, die neben den bestehenden Prozessen betrieben werden muss.

Die Telematikinfrastruktur

Die Telematikinfrastruktur lässt sich als zentrales Rückgrat für digitale Kommunikation, Authentifizierung und den sicheren Austausch medizinischer Daten im Gesundheitswesen beschreiben. Technisch umfasst sie eine Vielzahl von Komponenten und Diensten von Identitätsmanagement über Kommunikationsdienste wie KIM bis hin zu Anwendungen wie ePA und E-Rezept. Die TI ist hochgradig sicherheitsorientiert und regulatorisch eng geführt. Gleichzeitig erhöht sie die technische und organisatorische Komplexität für die angeschlossenen Einrichtungen erheblich, insbesondere dort, wo neue Anwendungen tief in bestehende Systeme integriert werden müssen.

Digitale Reife ist nicht gleichmäßig verteilt

Ein zentrales Ergebnis aus den ersten Kapiteln des E-Health Monitors ist, dass die digitale Reife im Gesundheitswesen ziemlich unterschiedlich ausfällt. Der häufig pauschal beschriebene „Stand der Digitalisierung“ verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen den Leistungserbringern. Während 64 Prozent der Praxen TI-Anwendungen zumindest regelmäßig bis intensiv nutzen, ist die Nutzungsintensität mit nur 13 Prozent der Krankenhäuser deutlich geringer. Zwar sind Krankenhäuser vollständig angebunden, doch der Anteil der Krankenhäuser, die die TI mittel bis intensiv im Alltag einsetzen, liegt deutlich unter dem ambulanten Niveau. Der TI-User-Index der gematik verdeutlicht diese Unterschiede zusätzlich: Während sich bei Arztpraxen 2025 ein deutlicher Anteil mittlerer und starker Nutzung der TI-Anwendungen zeigt, dominiert bei Krankenhäusern weiterhin der Bereich „keine Nutzung“. Selbst im Jahresvergleich 2024 zu 2025 bleibt der Anteil der TI aktiv nutzenden Kliniken gering, während Praxen ihre Nutzungsintensität sichtbar steigern konnten. Ein Befund, der vor allem die höhere strukturelle und organisatorische Komplexität des stationären Bereichs widerspiegelt.

Strukturelle Ursachen der Unterschiede zwischen ambulant und stationär

Diese Unterschiede sind strukturell erklärbar. Ambulante Praxen arbeiten häufig mit vergleichsweise homogenen IT-Systemen und klar abgegrenzten Workflows, in die einzelne TI-Anwendungen punktuell integriert werden können. Krankenhäuser hingegen verfügen über hochkomplexe, historisch gewachsene IT-Landschaften mit zahlreichen Subsystemen, Schnittstellen und Abhängigkeiten. Neue digitale Anwendungen greifen hier in bestehende KIS-Strukturen ein, was Implementierungen zeitintensiv macht und stark von Herstellern abhängig ist. Digitale Prozesse lassen sich dadurch deutlich schwerer standardisieren und skalieren.

Technische Stabilität als Akzeptanzfaktor

Hinzu kommt, dass technische Instabilitäten der TI keine Seltenheit sind. Der E-Health Monitor 2025 zeigt, dass technische Probleme bzw. die Fehleranfälligkeit für Kartenterminals und Konnektoren weiterhin ein relevanter Faktor sind.
Während Ausfälle oder Störungen im ambulanten Bereich häufig zu Mehrarbeit und Umgehungslösungen wie dem Faxgerät führen, können dieselben Probleme im stationären Umfeld ganze Prozessketten betreffen – von der Aufnahme über die Dokumentation bis hin zur Entlassung. Die Sensibilität gegenüber Systemstörungen ist entsprechend höher, was die Akzeptanz digitaler Anwendungen zusätzlich beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist die geringere Nutzungsintensität im stationären Bereich weniger als Defizit zu verstehen, sondern als Ausdruck der erheblich komplexeren Ausgangslage, unter der digitale Transformation im Krankenhaus stattfindet.

Nutzungslücken trotz technischer Anbindung

Diese Unterschiede spiegeln sich auch in dem TI-Atlas Dashboard der gematik wider. Zwar zeigt der „TI-Readiness-Index“, dass Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäuser bis auf maximal 2 Prozent voll an die TI angeschlossen sind, doch der sogenannte TI-User-Index zeigt, dass aktive Nutzung und Integration stark variieren. Der TI-User-Index differenziert dabei zwischen starker, mittlerer, geringer und keiner Nutzung. Besonders auffällig ist, dass selbst bei nahezu vollständiger technischer Anbindung große Teile der Leistungserbringer TI-Anwendungen kaum oder gar nicht im Arbeitsalltag einsetzen.

TI User Index der gematik (Screenshot vom 28.12.25, aufgerufen unter: TI Atlas Dashboard)

 

Auch in der Nutzung einzelner TI-Anwendungen zeigen sich deutliche Unterschiede. Während E-Rezept und der KIM-Dienst vergleichsweise stark genutzt werden, bleibt die Nutzung der elektronischen Patientenakte weiterhin deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Von technischer Anbindung zu digitaler Reife

Der Stand der Telematikinfrastruktur im Jahr 2025 ist damit weniger eine Frage fehlender Technik als fehlender struktureller Passung. Die TI-Infrastruktur ist vorhanden, doch sie ist noch nicht konsequent auf die Realität unterschiedlicher Versorgungsbereiche ausgerichtet. Digitale Reife entsteht nicht nur durch Anschlussquoten oder gesetzliche Verpflichtungen, sondern durch technische Stabilität der TI, reduzierte Komplexität und eine Integration, die sich an realen Arbeitsabläufen orientiert.

 

Der E-Health Monitor 2025 macht deutlich, dass sich der Schwerpunkt der Digitalisierung auch noch in eine andere Richtung verschieben muss: weg von der Frage, ob digitale Infrastruktur existiert, hin zu der Frage, wie sie genutzt wird und von wem. Erst wenn digitale Anwendungen in ambulanten und stationären Settings gleichermaßen betriebsstabil und praxistauglich integrierbar sind, kann aus technischer Anbindung, digitale Reife und digitale Versorgung werden.

 

Der aktuelle „Stand der Digitalisierung“ ist damit weniger als Leistungsbewertung einzelner Akteure zu verstehen, sondern als Ausdruck der Komplexität der Aufgabe insgesamt. Die Unterschiede zwischen ambulantem und stationärem Bereich verdeutlichen, dass digitale Transformation im Gesundheitswesen nur dann gelingen kann, wenn Infrastruktur, Prozesse und organisatorische Realität konsequent zusammengedacht werden. Insbesondere dort, wo komplexe klinische Abläufe, hohe Integrationsanforderungen und kritische Versorgungsprozesse aufeinandertreffen

Digital Health Bereich erkunden

Finden Sie hier eine Übersicht unserer Leistungen , Produkte, Whitepaper und Best Practices zum Thema.  

Best Practices aus der Praxis

Einblicke in echte Projekte

konkrete Handlungsempfehlungen

Ansprechpartner

Buchen Sie einen Termin mit unseren Experten oder schreiben Sie uns eine Nachricht um mehr zu erfahren.
Larissa-Huetter_rund.webp

Dr. Larissa Hütter

Bereichsleitung Digital Health

Ihr Partner für IT-Beratung und Services.

Wir sind für Sie da
Erfolgreiche Projekte mit Rewion als Trusted Advisor

Technischer Support

Willkommen bei unserem exklusiven Support für Bestandskunden. Hier finden Sie alle nötigen Informationen, um schnell und unkompliziert Hilfe bei technischen Anfragen zu erhalten.

Support-Hotline

Für dringende Anfragen erreichen Sie uns telefonisch unter:

Support E-Mail

Senden Sie uns Ihr Anliegen mit allen relevanten Details an:

Fernwartung via TeamViewer

Für eine direkte Unterstützung per Fernwartung, laden Sie bitte unser TeamViewer-Modul herunter:

Bitte beachten Sie: Dieser Kanal ist speziell für technische Anfragen unserer Bestandskunden vorgesehen. Für allgemeine Anfragen, Informationen zu unseren Dienstleistungen oder eine Erstberatung nutzen Sie bitte unser Kontaktformular oder schreiben Sie eine E-Mail an info@rewion.ucepts.de.